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Noch mehr Hinter den Kulissen

Hallo aus Hamburg,

das Buch ist erst seit zwei Wochen erhältlich und in der Zwischenzeit erreichten mich schon die ersten E-Mails mit positiven Rückmeldungen. Darüber habe ich mich sehr gefreut.

Wer „Hinter den Kulissen“ schon besitzt, kennt das Bild der 50 0015, das diesen Beitrag einleitet; wer nicht, der hat etwas versäumt 😉 Aufgenommen habe ich es am 30. Juni 1977 auf der Strecke Wismar – Rostock hinter Kartlow; als Ort hatte ich mir Vogelsang notiert, was damals auf einem Wegweiser stand.

Der 30. Juli 1977 gehört nicht nur zu den Tagen, den ich aus Platzgründen in dem Buch nicht ausführlich geschildert habe (zumal viele Bilder nicht so geworden sind, wie ich es mir vorgestellt hatte), er ist auch mit unterschiedlichen Erinnerungen verbunden. Bereits sechs Tage zuvor war ich im Kleinen Grenzverkehr nach Bad Kleinen und Wismar gefahren. Abends hatte ich an der Strecke Wismar – Rostock nach Motiven gesucht. Dabei entstand das nachfolgende Bild, leider nur von der rückwärts fahrenden 50 0044, die mit einem Ng nach Wismar durch Hornstorf rollte.

Wismar – Rostock

Nachdem ich mich nicht nur mit der Strecken sondern auch der Topographie vertraut gemacht hatte, stand für mich fest: Beim nächsten Besuch ist der erste Programmpunkt ein morgens fahrender Dg nach Rostock. Da ich die Fahrzeiten nicht kannte, fuhr ich sehr früh nach Wismar. Ich hatte Glück: Vor einem Dg nach Rostock wartete bereits die sehr saubere 50 0015 und ich fuhr gleich an die Strecke.

An einem kleinen Bahnübergang bei Kartlow entstanden die ersten Fotos – wobei die Dias dank der „Eigenmächtigkeiten“ meiner Kamera stark unterbelichtet waren (auch dazu habe ich einige Sätze in dem Buch verloren).

Der Zug kroch sehr langsam die Steigung auf die Geest hinauf, sodass es ein Leichtes war ihn zu überholen und bei Vogelsang erneut aufzunehmen. Hier die zu dem Bild oben gehörende „Vorausaufnahme“ – der Zug fuhr inzwischen nur noch Schritttempo.

Weil er im weiteren Streckenverlauf wieder Fahrt aufnehmen würde und es noch so früh war, dass der Gag 72879 Rostock – Wittenberge wahrscheinlich noch nicht in Bad Kleinen angekommen war, brach ich die Verfolgung ab und fuhr nach Bad Kleinen.

Abenteuerurlaub

Allerdings war die Zeit recht knapp, sodass ich beschloss mich nicht erst durch Wismar zu quälen, sondern die direkte Route über Nebenstraßen zu wählen – auf der Landkarte z.T. als unbefestigt dargestellt. Da ich auch sonst schon Feldwege in der DDR gefahren war, dachte ich mir nichts dabei und es begann auch ganz ordentlich. Auf halber Strecke wurde der Weg dann breiter und die Schlammlöcher tiefer um nach kurzer Zeit in einer zusammenhängen Schlammfläche zu münden. Jetzt bloß nicht stehen bleiben …

Die Fahrer von zwei LPG-Traktoren sahen mich schon von weitem kommen und fuhren mit ihren Gespannen ganz an die Seite, um mich passieren zu lassen. Zum Glück endete die Schlammwüste nach etwa 100 m – gefühlten 500 m – und ich hatte wieder festen Boden unter den Rädern. Die Schlammspritzer reichten von den vorderen Radkästen, über die Griffe der vorderen Türen bis zur Oberkante der hinteren Fenster. Und ich fuhr, nach der Akustik zu urteilen, einen Formel-1-Rennwagen: Im Schlamm hatte sich der Endschalldämpfer gelockert, sodass die Abgase jetzt bereits ungehindert nach dem Zwischenschalldämpfer entwichen …

Bad Kleinen

Als ich endlich in Bad Kleinen ankam, fuhr ich zuerst zum Bahnübergang, an dem sich die Strecken nach Güstrow – Rostock und Wismar teilten. Der Schrankenwärter bestätigte mir, dass der Zug noch nicht durch war, sodass ich mich zuerst in der Einfahrt postierte, um die mit dem Gag 72879 heranrollende 44 0105 zu fotografieren.

Da der Zug wegen einer kreuzenden Fahrstraße nach Wismar vor dem Einfahrsignal halten musste, blieb Zeit um zu dem Fußgängersteg im Bahnhof zu fahren. Auf dem oberen Bild ist im Hintergrund das Postengebäude zu erkennen. Beide Bilder zeigen auch, dass die Wolken hier inwischen unberechenbar waren.

Schließlich gelang mir noch ein Bild des in Bad Kleinen nach dem Wassernehmen wieder abfahrenden Zugs – zwar im Gegenlicht, aber bei sw-Fotos für mich kein Ausschlusskriterium.

Anschließend wollte ich mich erst einmal von der Abenteuertour erholen und machte ich es mir an der Strecke nach Güstrow an einer Stelle gemütlich, an der ich auch die Strecke nach Wismar im Auge hatte. Die dort verkehrenden Züge wurden rechtzeitig durch das Schließen der Schranken angezeigt.

Es dauerte nicht allzu lange, als sich 50 0054 mit einem Getreidezug auf den Weg nach Wismar machte – wie häufig mit derartigen Zügen mit dem Tender voraus. Und bisweilen trugen die Heizer des Bw Wismar zum Gelingen der Bilder bei, so auch bei diesem Zug.

Danach blieb ich vorerst an derselben Stelle und mein Warten wurde belohnt: Wenig später kam die sehr saubere 50 4040 als Lz rückwärts aus Wismar.

Das konnte eigentlich nur bedeuten, dass sie anschließend einen Zug nach Güstrow bringen würde. Ich fuhr also an die Strecke bei Hohen Viecheln zu einer Stelle, die (wie mir von meinen vorigen Aufenthalten bekannt war) zwei Aufnahmen zuließ. Das die Löcher zwische den Wolken noch ausreichend groß waren, hatte ich schon nicht mehr zu hoffen gewagt.

Und nun wird’s dunkel

Danach verschwand die Sonne hinter Wolken. Ich beschloss erst einmal nach Wismar zu fahren, um zu schauen, ob im Bw etwas interessantes herumstand. Das tat es auch in Form von 50 4005. Blöd war nur: Um die Lok zu fotografieren, musste ich direkt vor der Trapo-Wache stehen, und auf „dumme Fragen“ was ich dort machen würde, hatte ich partout keine Lust. Ich beging also die Flucht nach vorn: Marschierte in die Wache und erklärte dem diensthaben Polisten hinter dem Tresen mein Ansinnen. Dann bat ich, ob ein Kollege mit herauskommen könne, damit ich nichts falsches fotografiere (immerhin waren Bw Bahnanlagen, die theoretisch nicht fotografiert werden durften). Der Kollege kam mit raus, fand unter den Eisenbahner sofort einen Gesprächspartner, und ich konnte ungestört meine Bilder machen. Nach zehn Minuten bedankte ich mich und zog unbehelligt wieder ab.

Wieder in Bad Kleinen

Danach fuhr ich nach Bad Kleinen zurück und schaute erst einmal im Bahnhof nach dem Rechten. Ich hatte mir vorgenommen, noch ein Bild mit dem Schweriner See im Hintergrund nach Hause zu bringen und dazu wollte ich wissen, ob demnächst ein Zug nach Güstrow zu erwarten war. Die Chancen standen nicht schlecht. Auch wenn das erste Motiv ein Brikettwagen mit 2 PS war, wartete im HIntergrund bereits 50 0064 auf die Abfahrt.

Ich fuhr also einmal mehr zum Bahnübergang nördlich von Bad Kleinen, obwohl von Sonne keine Spur war.

Das eigentlich Motiv war aber am südlichen Bahnhofskopf mit einem aus Schwerin kommenden Zug. Sechs Tage zuvor war mir ein solches Bild mit 120 315 und einem Kalizug gelungen.

Zwar kam abends auch tatsächlich die Sonne noch einmal kurz hinter den Wolken hervor, aber das reichte nur für ein Bild der in Bad Kleinen rangierenden 106 949.

Als dann später 50 0005 mit einem Getreidezug aus Richtung Schwerin kam, war die Sonne bereits hinter den Wolken am Horizont verschwunden.

Rückfahrt

Anschließend machte ich mich auf den Heimweg nach Norderstedt. Auch wenn ich versuchte mit wenig Gas an den Grenzübergang Selmsdorf zu rollen bemerkte mich der Zöllner sofort, zumal um die Tageszeit dort wie üblich wenig los war. Als ich ausstieg ging er einmal langsam um mein Auto, schaute mich an und meinte dann trocken: „Sie haben aber schon bemerkt, dass wir in der DDR auch befestigte Straßen haben?“ – Ich konnte mir das Grinsen nicht verkneifen.

Grüße aus Hamburg
Stefan Carstens