Hallo aus Hamburg
und
Hej från Karlstad,
heute präsentiert Peter Berggren den versprochenen zweiten Teil zu diesem Thema.
Synchronumformer im 21. Jahrhundert
Die DB AG hatte in den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren viele mobile Umformer ausgemustert. In Ostdeutschland war die Stromversorgung auf westdeutschen Standard umgestellt worden. Dabei wurden hauptsächlich „Unterwerke“ als Umspannstationen von den einphasigen 110-kV-Überland-Leitungsnetz zur Versorgung des Bahnstromnetzes gebaut. Für diese gab es keine weitere Verwendung.
Als in den frühen 2010er-Jahren weitere deutsche Synchronumformer – ab Mitte der 80er-Jahre gebaute Fahrzeuge der 4. Und 5. Generation – ausgemustert wurden, kauften nun aber die Eisenbahnverwaltungen in Norwegen und Schweden gebrauchte Umformer von DB Energie. Norwegen entschied sich dafür, sie vor der Übernahme in Deutschland überholen zu lassen, Schweden kaufte sie gebraucht und unterzog sie dann ab 2014 in Schweden einer Generalüberholung und Modifizierung.
Das Bild oben zeigt den vom Reparaturwerk Erfurt als einen der letzten 1991 gebauten Umformer 110 als D-DB 80 80 980 9 093-5 im März 2022 auf der Überführungsfahrt zu Euromaint in Åmål im Bf Kil.
Bane Nor „Synkron Omformervogn“
Die EU-Vorgaben zur Trennung von Netz und Betrieb wurden in Norwegen 2016 durch die Gründung des Eisenbahninfrastrukturunternehmens (Jernbaneinfrastrukturforetaket) Bane NOR SF beschlossen und 2017 umgesetzt; SF bedeutet „Statsforetak“, das ist eine Aktiengesellschaft, bei der der Staat alle Anteile hält (ähnlich wie bei der DB AG, nur dass es in Deutschland dafür keine besondere Bezeichnung gibt). Im selben Jahr kaufte Bane Nor fünf deutsche Synchronumformer, ließ sie in Deutschland aufarbeiten und stellte sie als „Synkron Omformervogn“ 961 – 965 mit dem Halterkürzel BN in Deutschland ein. Sie behielten ihre alten Wagennummern Nummern, bekannt sind 80 80 D-BN 9809 089 042, … 079 und … 089.
Der Vorteil bei diesem Vorgehen war, dass die deutschen Betriebsgenehmigungen für die Synchronumformer EU-weit auch weiterhin galten und daher aufwendige Prüfungen für eine Neuzulassung in einem anderen Land entfallen konnten.
Trafikverket-Umformer Q 50
Trafikverket (TRV), die schwedische Zentralbehörde für Verkehrsinfrastruktur, wurde bereits im April 2010 durch die Zusammenfassung von Banverket (zuvor für die Eisenbahninfrastruktur zuständig) und Vägverket (für Straßen und Wasserwege) gegründet.
TRV kaufte insgesamt 16 ausgemusterte deutsche Umformer und gab ihnen bei der Wiederinbetriebnahme die an die schwedischen 10-MVA-Umformer Q48 und Transformator-Wagen Q49 anschließende Baureihenbezeichnung Q50. Die für die ersten beiden Synchronumformer zusätzlich benötigten Trafos, Steuereinrichtungen, Schaltanlagen, Erregermaschinen etc. sollten anfangs wie zuvor in der DDR in Umformeranlagen stationär installiert werden. Hiervon nahm man aber wieder Abstand und baute stattdessen für die Synchronumformer neue Transformatorwagen, sodass die Anlagen nun genauso flexibel genutzt werden konnten wie die älteren schwedischen Fahrzeuge.
Die Synchronumformer der wurden in unterschiedlicher Weise in Betrieb genommen. Bei der ersten Variante wurde er mit einem neu gebauten Q49-Trafowagen gekuppelt. Dabei wurde ein ebenfalls von der DB AG gebraucht gekaufter Transformator stationär aufgestellt und der Trafowagen trug nur die übrigen Aggregate. In der zweiten Ausführung wurde ein alter Q49, der weiterhin auch den Trafo besaß, an den Umformer angepasst.
Dabei machte sich auch Trafikverket die bestehenden Betriebsgenehmigungen zunutze: Die Synchronumformer wurden nach dem Umbau mit dem EVU-Kürzel TRVEL (für Trafikverket elektrisk avdelning) in Deutschland registriert, die auf der schwedischen Konstruktion aus den 50er-Jahren basierenden Trafowagen auf Grundlage der bestehenden Zulassung in Schweden.
In Schweden gibt es drei Werkstätten, die Synchronumformer überholen und aufarbeiten. Euromaint in Åmål (seit 1954), Luleå Generatorservice in Luleå in Nordschweden (seit mindestens 25 Jahren) und Fortum in Västerås.
2018 rollte der erste überholte ehemalige deutsche Umfomer aus der Werkstatt in Schweden, zusammen mit einem alten Transformatorwagen schwedischer Bauart. Aktuell (Stand April 2024) hat TRV von den 16 ehemals deutschen Synchronumformer zwölf überholt und an verschiedenen Standorten im Einsatz. Die übrigen vier warten noch auf die Instandsetzung, da die Werkstätten mit vorrangigen Arbeiten voll ausgelastet sind.
Umformstationen gehören zur kritischen Infrastruktur. Um sie vor möglichen Luftangriffen zu schützen, betreibt Trafikverket sie z.T. in zu Stichtunneln ausgebauten Bergstollen.
Die nächste Generation
2023 stellte TRV den ersten 162 t schweren Synchronumformer der neuen Bauart Q60 mit 12 MVA Leistung (bei älteren Bauarten 10 MVA) in Dienst. Das neue Untergestell wurde auf Grundlage der DR-Umformer konstruiert, die Umformer sind eine Weiterentwicklung auf der SJ/Asea-Konstruktion aus den 50er-Jahren mit zahlreichen technischen Verbesserungen.
Trafotransporte
Zusammen mit den Synchronumformern verkaufte die DB AG auch nicht mehr benötigte Trafos an TRV. Diese wurden auf normalen Tiefladewagen von Daher HCS transportiert. Bei dem relativ geringen Gewicht dieser Trafos reichten die von der DR stammenden, 2010 im AW Paderborn aufgearbeiteten Uaais 745 mit einer Lastgrenze DS von 51,5 t im internationalen Verkehr aus.
Selbstverständlich stellen wir diese Wagen auch in Güterwagen Band 10 vor, sowohl als Tiefladewagen der DR bzw. DB AG als auch in einem kurzen Kapitel über Nukleartransporte. In diesem Kapitel steht auch, warum die Wagen für diesen Zweck extra neu lackiert wurden.
Allerdings sind wir uns noch nicht ganz einig, welche Schreibweise wir letztendlich wählen: die korrekte deutsche Schreibweise „Nukleartransporte“ oder „Nucleartransporte“ in Anlehnung an die „Nuclear Cargo + Service GmbH (NCS). Letztendlich werde ich wohl auch hier der Empfehlung des Lektors Gerhard Fleddermann folgen …
Und der hat inzwischen mehr als ¾ des Buches vorliegen. Zwar fehlen an der einen oder anderen Stelle noch die Modellbaubeiträge, aber die übrigen Abschnitte sind soweit fortgeschritten, dass ich inzwischen davon ausgehe, dass das Buch, sofern nichts Unvorhergesehenes dazwischenkommt, bereits in der zweiten Oktoberhälfte erscheinen kann.
Viele Grüße / Med vänlig hälsning
Stefan Carstens und Peter Berggren